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Challenge #habit2019

#habit2019 Challenge
#habit2019 Challenge

Seit einigen Jahren nutze ich die Zeit am Anfang eines Jahres dazu, einzelne Gewohnheiten, die sich eingeschlichen haben, zu verändern. Ich verzichte z.B. für einige Wochen auf Genussmittel wie Alkohol, Koffein oder zuckerhaltige Getränke.

Im Jahr 2006 wurden z.B. aus einem anfangs temporären Verzicht von von Fleisch ein inzwischen 13 Jahre währender Dauerzustand. (Das Magazin Stern hat mich kürzlich interviewt und eine vierteilige Artikelserie dazu veröffentlicht.)

Viel wichtiger als der reine Verzicht ist mir aber die bewusste Entscheidung, meinen Konsum zumindest zeitweise zu limitieren und auf diesem Weg zu hinterfragen. Die Herausforderung und der Gewinn liegen dabei im temporären Verzicht. Sich zu überwinden, neu zu fokussieren und Vertrautes zu hinterfragen, erweitert den Blick und schenkt neue Perspektiven.

Seit dem ersten Januar 2019 war es bei mir wieder so weit. Ich habe für 12 Wochen auf Alkohol, Koffein, zuckerhaltige Getränke, industriezuckerhaltige Süßigkeiten und erstmals auch auf tagespolitische Nachrichten verzichtet.

Diese 12 Wochen sind jetzt vorüber und so lautet mein Fazit:

Alkohol
Der vollständige Verzicht auf Alkohol klappte nicht, denn an zwei Tagen - im Skiurlaub - habe ich eine Auszeit von der Auszeit genommen. Rückblickend war das unnötig. Es wäre auch ohne das rituelle Bier nach der letzten Abfahrt gegangen.
Das hat sich verändert: Verzicht ist nicht gleich Verzicht. So habe ich z.B. eine breite Auswahl an alkoholfreien Bieren in den letzten 12 Wochen getestet und festgestellt, dass es - zumindest geschmacklich - kein Argument gibt, alkoholische Biere zu trinken.
(
Die meisten alkoholfreien Biere enthalten bis zu 0,5% Alkohol)

Koffein und zuckerhaltige Getränke
Wer regelmäßig koffeinhaltige Getränke konsumiert, kennt wahrscheinlich die Kopfschmerzen vom Koffeinentzug, sobald man mal aussetzt oder weniger als gewöhnlich zu sich nimmt. Für mich Anlass genug für einen Radikalverzicht.
Das hat sich verändert: Der vollständige Verzicht auf zuckerhaltige Getränke und Koffein hat sich vor allem positiv auf meine Schlafqualität ausgewirkt. Insbesondere beim Einschlafen hat sich eine angenehme Regelmäßigkeit eingestellt. Dadurch fühle ich mich nicht nur ausgeschlafener, sondern profitiere den gesamten Tag über von einer guten Vitalität. Da braucht es erst gar kein Koffein, um sich wach zu halten.
Positiver Nebeneffekt des Zuckerverzichts: Ich habe fünf Kilo abgenommen.

Zuckerhaltige Süßigkeiten
Dieser Punkt war eine Gratwanderung. Derweil ich mir Trockenobst wie Apfelchips oder Mangostreifen erlaubt habe, waren Gummitiere, Schokolade und andere industriezuckerhaltige Naschereien ein Tabu. Was aber überhaupt kein Problem war. Es ist, wie bei fast allem, nur eine Frage der Gewohnheit.
Das hat sich verändert: Ich habe in den 12 Wochen 5 Kilo abgenommen. Wohlgemerkt habe ich in dieser Zeit nicht gehungert oder mich im sklavischen Verzicht geübt. Denn auch Mangostreifen haben Fruchtzucker und sind kleine Energiebomben. Aber ganz offenbar hat die Einschränkung zuckerhaltiger Lebensmittel und der gleichzeitige Verzicht auf entsprechende Süßigkeiten bereits ausgereicht, um einfach so Gewicht zu verlieren. Mir fiel auf, dass ich keine Heißhungerattacken hatte. Hier sehe ich einen Zusammenhang zwischen Zucker und dem Blutzuckerspiegel. Und ich habe mir angewöhnt selbstgemachte Eistees zu trinken. Fehlte mir anfangs noch die Süße, vermisse ich diese inzwischen überhaupt nicht mehr.

Tagespolitische Nachrichten
Das war der Punkt mit dem größten Aha-Effekt. Derweil ich alle vorhergenannten Punkte in der Vergangenheit schon mal in kürzeren Etappen ausprobiert habe, verzichtete ich das erste Mal 12 Wochen komplett auf tagespolitische Nachrichten.
Das hat sich verändert: Ein deutlicher Gewinn an Psychohygiene. Viele Themen wie Trump, Brexit, Anschläge etc. sind schlichtweg an mir vorbei gegangen. War ich mal nicht schnell genug, um das Radio auszuschalten wenn Nachrichten kamen, fiel auf, dass gleich die erste Meldung etwas Negatives war. Diese negativen Nachrichten sorgen für ein permanentes dysfunktionales Grundrauschen.
Gleich am Anfang habe ich alle Abonnements von Nachrichtenseiten im Internet gelöscht und nur Tech-News im Stream belassen. Hinzugekommen waren sog. "Good News", die ausnahmslos positive Meldungen verbreiten. Obwohl ich anfangs Sorgen hatte, wichtige Ereignisse zu verpassen und insgesamt unmündiger in meiner Meinungsbildung zu werden, sehe ich das Gegenteil eingetreten. Der Verlust permanenter Seitenbeschallung mit negativem Grundton hat mich wacher für die Vorkommnisse in meinem Umfeld gemacht und kritischer gegenüber pauschalen Verlautbarungen.

Fazit:
12 Wochen sind keine lange Zeit. Nach spätestens zwei bis drei Wochen transformierte sich jeder einzelne Punkt meiner Liste in Gewohnheit, die sich weder nach Verlust, noch wie ein Verzicht anfühlte. Das wurde derart ungezwungen, dass ich selbst jetzt nach den 12 Wochen nicht das Gefühl habe, an einem Endpunkt angekommen zu sein. Manches läuft einfach weiter, manches nicht. Ungezwungen. Angenehm.

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