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Keine Managementliteratur lesen!

Keine Managementliteratur lesen!
Keine Managementliteratur lesen!

Wer zum ersten Mal eine Führungsrolle antritt, kennt das anfängliche Gefühl der Unsicherheit und phasenweisen Orientierungslosigkeit. Neue Führungskräfte sind daher auch eine dankbare Zielgruppe für findige Autoren und Verlage.

Die Auswahl an Büchern und Ratgebern zum Thema Führung ist überbordend. Die meisten locken mit dem Versprechen, griffige Lösungen für schwierige Probleme zu liefern. Und da fängt bereits die Misere an: Führung ist zu komplex und wird immer wieder durch neue Variablen beeinflusst, um sie mit statischen Best-Practice-Beispielen oder durch allgemeine Handlungsempfehlungen “bedienbar” zu machen.

In meiner Anfangszeit als Führungskraft las ich unzählige Bücher über Führung. Jeder Autor gab andere Empfehlungen. Was in einem Buch als modern und zielführend beschrieben wurde, galt im nächsten bereits als veraltet. Eine einheitliche Linie war nicht auszumachen. Ich musste akzeptieren, dass es naiv war zu glauben allein durch das Lesen eines Buches zu einer erfolgreichen Führungskraft zu werden. Letztlich fußen solche Hoffnungen oft auf einem geschickten Verlagsmarketing. Ich glaube sogar, dass ein Teil der populären Managementliteratur mehr Verwirrung als Nutzen stiftet.

Das, was man als neue Führungskraft in Büchern sucht, ist letztlich das, was erst mit Erfahrung und Zeit gefunden werden kann. Nicht das größtmögliche Methodenwissen oder die beste Durchsetzungsfähigkeit zeichnen eine gute Führungskraft aus, sondern ihre persönliche Haltung und die gelebten Werte. Und die können durch ein Buch höchstens beschrieben, aber nicht entwickelt werden. Die Entwicklung einer reifen Führungspersönlichkeit braucht Zeit und viel praktische Erfahrung. Fehler zu machen - auch zu scheitern - liefert Erkenntnisse, die nicht aus der sicheren Distanz eines Ratgebers vermittelt werden können.

Malik nennt das in seinem Standardwerk Leben Leisten Führen “teure Umwege”. Das mag auf Bereiche zutreffen, die keine Fehler erlauben. Ansonsten gilt: Fehler sind lehrreich und Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnis.

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