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Mountainbiken im Harz - Brockentour

Tourenkarte Brocken
Tourenkarte Brocken

Als ich die Einladung zu einem Firmenseminar im Harz erhielt, war für mich sofort klar, mein Mountainbike mitzunehmen. Der Harz war bisher ein weißer Fleck auf meiner Tourenkarte. Die Vorfreude auf die Region war entsprechend groß und sollte nicht enttäuscht werden.

Mountainbiketour zum Gipfel des Brockens

Petrus meinte es gut mit mir. Die angekündigte Schlechtwetterfront ließ auf sich warten und ich konnte bei bestem Wetter starten. Ich entschied mich für die kurze und steile Nordwest-Variante. Bis zum Gipfel des Brocken standen 14 Kilometer und 900 Höhenmeter zu Buche.

18 Uhr klickten meine Schuhe in Darlingerode in die Pedalen. Auf den ersten 7 Kilometern verläuft die Tour auf bequemen Forstwegen bei moderater Steigung durch ein langgezogenes Tal. Schnell faszinierte mich die eigentümliche, teils schroffe Natur des Harzes. Sperrige Felsen ragten hier und da aus den urig wirkenden Wäldern heraus und erschienen bisweilen wie schemenhafte Fabelwesen. Zahlreiche karg bewachsene Lichtungen gaben den Blick auf Heerscharen abgestorbener Baumreihen frei. Die tief stehende Sonne flutete das Landschaftsbild in warmen Farben und dank der leicht diesigen Sicht wirkten die umgebenen Gipfel wie blasse Scherenschnitte.

Nach knapp 8 Kilometern kreuzte ich das Flüsschen Ilse, wenige hundert Meter von deren Quelle entfernt. An dieser Stelle begann der steile Teil der Tour. Bis zum Gipfel waren noch ca. 500 Höhenmeter zu absolvieren.

Kurz hinter dem schönen Aussichtspunkt Hermannsklippe mündete der Weg in den mit durchschnittlich 14% Steigung relativ steilen Hirtenstieg, der mich direkt zum Kleinen Brocken führte. Was sich romantisch anhört, ist in der Realität eine Panzerstraße aus jener Zeit, als der Brocken wegen seiner exponierten und zugleich grenznahen Lage im Westen des ehemaligen Ostblocks, einer der wichtigsten Horchposten und zugleich militärisches Sperrgebiet war. Die symmetrisch gelochten massiven Betonplatten erleichterten mein Vorwärtskommen nur bedingt und verlangten zusätzliche Kraft und Geschicklichkeit beim Fahren.

Die mühselige Kurbelei wurde mit zunehmend tieferen Einblicken ins norddeutsche Landesinnere belohnt. Der auf knapp über 1000 Metern gelegene Kleine Brocken überragt bereits die meisten umliegenden Gipfel deutlich. Hier bot sich mir ein herrlicher Blick auf den gesamten Harz und die nah gelegene Eckertalsperre.

Der Brockengipfel schien bereits zum Greifen nah und die Baumgrenze wurde deutlich sichtbar. Gerade einmal 100 Höhenmeter trennten mich noch vom Gipfelglück. Nachdem ich die schmalen Schienen der Brockenbahn überquerte, stand ich wenig später im abendlichen Sonnenschein am Fuße der übergroßen und weithin sichtbaren Antennenanlage des Brockens, deren Spitze in einer dünnen Wolkendecke verschwand.

Die folgenden Minuten verstrichen im Nu. Der Blick in die Ferne war faszinierend. Keine Menschenseele war zu sehen, was mir bei einem touristischen Hotspot wie dem Brocken nicht selbstverständlich zu sein schien. Das Wetter war nahezu perfekt und auch Gevatter Wind hielt sich vornehm zurück. Sprichwörtliches Gipfelglück; oft erlebt und immer wieder etwas ganz Besonderes.

Als sich am Horizont dichte Regenwolken sammelten, sattelte ich auf und stürzte mich nach einem kurzen Halt am Gipfelstein in die über 20 km lange Abfahrt auf der östlichen Route. Für wenig trainierte Radler übrigens die vorteilhaftere, da weniger steile Variante, um den Brockengipfel zu erreichen.

Bilder
Start der Tour auf gütlichen WaldwegenFelsformationen am WegesrandBrockengipfel in Wolken gehülltSpuren der NaturgewaltenAbgestorbene Bäume und HeidegräserDie HermannsklippeAussicht vom Kleinen BrockenSendeanlage auf dem BrockenFernblick in die norddeutsche TiefebeneGipfelstein auf dem Brocken

Fazit
Der Harz lockt in der Mitte Deutschlands Mountainbiker aller Disziplinen mit einem umfangreichen und vielseitigen Angebot an Wegen, Trails und einer urigen Landschaft. Die in diesem Artikel beschriebene Brockentour eignet sich je nach Fahrtrichtung für fortgeschrittene und auch weniger konditionsstarke Mountainbiker gleichermaßen. Für die Tour sollten zwischen 2,5 und 5 Stunden eingeplant werden. Bei gutem Wetter ist der Blick vom Gipfel ein echtes Highlight. Für technisch orientierte Geländefahrer gibt es zahlreiche alternative Abfahrtsmöglichkeiten im Schwierigkeitsbereich zwischen S1 - S3. Die hier beschriebene Route verläuft zumeist auf Forst- und breiten Wanderwegen. Die beste Startzeit ist der späte Nachmittag, wenn die zahlreichen Wanderer und Tagesausflügler den Gipfel verlassen.

Link: Karte und GPS-Track
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