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Führung im Wandel

Fürhung im Wandel
Fürhung im Wandel

Die Anforderungen an Führungskräfte unterliegen heute mehr denn je einem kontinuierlichen Wandlungsprozess. Themen wie Digitalisierung und Industrie 4.0 sind in aller Munde. Gleichzeitig verändert sich die Erwartung vieler Arbeitnehmer zunehmend. Arbeit soll Sinn stiften, muss Spaß machen und sich gut mit den unterschiedlichen Lebenskonzepten der Menschen vereinbaren lassen, lautet eine vielzitierte These. In Zeiten des oft propagierten und in manchen Branchen realen Fachkräftemangels, müssen sich die Unternehmen auf diese veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Insbesondere Firmen, deren Wertschöpfung durch Wissensarbeit stattfindet, konkurrieren verstärkt um die sog. Young Professionals, also bestens ausgebildete Arbeitnehmer zwischen Anfang zwanzig und Mitte dreißig, denen eine besonders hohe Innovations- und Anpassungsfähigkeit zugeschrieben wird.

Starre, hierarchisch geprägte und autoritäre Führungskonzepte gelten als überholt und werden zunehmend durch moderne, kollaborative Formen der Zusammenarbeit abgelöst. Um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen sicherzustellen und den kontinuierlichen Wandel der Arbeitswelt erfolgreich zu gestalten, sind Änderungsbereitschaft, Kreativität und Sozialkompetenz von elementarer Bedeutung für moderne Führungskräfte. Wir stehen am Anfang einer Ära eines völlig neuen Führungsverständnisses. Immer mehr Arbeitnehmer verweigern Unternehmen mit Alphatieren im Wolfsrudel (Linienmanagement) die Gefolgschaft und wenden sich jenen Arbeitgebern zu, bei denen eine offene, von Vertrauen und Wertschätzung geprägte Firmenkultur gelebt wird.

Alte und neue Formen der Zusammenarbeit

Exemplarisch für den Wandel der Arbeitswelt steht das Projektmanagement in der Softwarebranche. Ganze Generationen von Firmen arbeiten bis heute nach dem sog. Wasserfallmodell, dem phasenhaften Abarbeiten eines vordefinierten linearen Projektplans in strikter Aufgabenteilung. Frustrierte Mitarbeiter und unzufriedene Kunden berichten häufig von verspäteten Lieferterminen, vielen Überstunden und schlechter Qualität.

Spricht man über modernere Formen der Zusammenarbeit, kommt man an Begriffen wie Agile, Lean etc. nicht vorbei, deren Gemeinsamkeiten größer sind als ihre Unterschiede. Denn sie sind ähnlichen Werten und Prinzipien verbunden und gewissermaßen zwei Seiten einer Medaille.
Dabei geht es sowohl bei Lean („Eliminate Waste!“) wie auch bei Agile („Deliver fast!”) um das Vermeiden unnötiger Arbeitsschritte mit dem Ziel schnellerer Ergebnisse bei besserer Qualität. Beiden Ansätzen gemein ist darüber hinaus die Tatsache, dass Menschen, Interaktion und Kommunikation im Vordergrund stehen. Neue Produkte entstehen hierbei zumeist inkrementell in iterativen Schritten - vor allem aber kollaborativ. Fehler in der Planung sollen möglichst frühzeitig erkannt und zeitnah korrigiert werden. Zugleich wird eine andere Form von Fehlerkultur propagiert, die erst einmal ungewöhnlich erscheinen mag. So lautet ein Wichtiger Grunsatz im Design Thinking: „Fail as early and as often as you can”. Menschen die lernen und Neues ausprobieren, machen Fehler. Das ist unvermeidbar. Wichtig ist diese Fehler so früh wie möglich zu machen, eine Wiederholung zu vermeiden und mit der gewonnen Erfahrung noch bessere Produkte zu kreieren. Getragen werden diese neuen Prozesse von Menschen mit einer anderen Vorstellung von Führung und Zusammenarbeit als es viele Jahre gelebte Praxis war.

Hohe Anforderungen an moderne Führungskräfte

Egal ob Lean oder Agile, gleichgültig ob StartUp oder Konzern - zukunftsfähige Führung erfordert eine hohe Sozialkompetenz und ständige Veränderungsbereitschaft. Moderne Führungskräfte sind mehr Leader als Manager. Gute Kommunikationsfähigkeiten, Coachingskills, Empathie und eine positive Lebenseinstellung werden zu wichtigen Schlüsselkompetenzen. Mitarbeitern auf Augenhöhe zu begegnen und mit ihnen in einer vertrauensvollen Atmosphäre zusammen zu arbeiten, setzt Persönlichkeitsstrukturen voraus, die nicht von Egozentrik und Dominanzstreben geprägt sind.

Das bedeutet nicht, dass Selbstbewusstsein, mentale Stärke und Durchsetzungsfähigkeit hinderlich sind. Denn Führung heißt bisweilen im Sinne des Wortes auch voranzugehen und wenn nötig unangenehme Entscheidungen treffen und vertreten zu müssen. Selbstreflektion und Kritikfähigkeit helfen dabei diesen Balanceakt zu meistern.

Wandlungsfähigkeit als Erfolgsfaktor

Die Veränderung etablierter Führungsstrukturen wird nicht verlustfrei und auch nicht immer freiwillig vonstatten gehen. Dabei können Dynamiken ausgelöst werden, denen einzelne Rollen, Abteilungen oder ganze Organisationen zum Opfer fallen.

Mangelnder Wille zum Wandel wird vorhersehbar dafür sorgen, dass ein Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit verliert und daran zugrunde geht. Gut sichtbar wird dieser Effekt in der Verlags- und Zeitungsbranche. Unzureichende Reformen, mangelnde Innovation und das zu lange Festhalten an alten Glaubenssätzen, haben eine ganze Branche in Schieflage gebracht. Mit dramatischen Folgen.

Change-Prozess als Chance

Kann ein gestandener Vertreter der sog. alten Schule mit den heutigen Veränderungen der Führungswelt überhaupt mithalten? Davon ist auszugehen. Das hängt letztlich jedoch von jedem selbst ab.

Schwer wird der Wandel für jenen Typus Manager, für den Erfolg primär mit Macht und Einfluss verbunden ist. Kollaborative und hierarchiearme Führungskonzepte dürften auf diese Personengruppe von vornherein eine geringere Anziehungskraft ausüben.

Im Umgang mit Menschen erfolgreiche Führungskräfte gab es schon immer. Sie sind in der Überzahl und befolgen seit jeher - jenseits aller neuen Begrifflichkeiten - die Grundsätze guter Führung. Ihnen wird die Transformation zu einem großen Teil gelingen. Mit dem Besuch von Seminaren und Workshops oder durch die persönliche Begleitung eines erfahrenen Coachs, kann dieser Veränderungsprozess nachhaltig unterstützt werden.

Entscheider können schon heute die Grundlagen für eine andere Führungskultur von morgen schaffen. Die eigenen Führungskräfte mit entsprechenden Angeboten aktiv zu unterstützen, ist eine direkte Investition in die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.

»Führung im Wandel« ist der Auftaktartikel einer Serie, in der es um neue Formen der Zusammenarbeit und Veränderungen in der Arbeitswelt geht.

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